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Startschuss für sechs Start-ups 23.07.2020

Sechs junge Unternehmen gehen beim CONTENTshift-Accelerator, dem Förderprogramm der Börsenvereinsgruppe, ins Rennen. Das Ziel: zum Start-up des Jahres gewählt zu werden.  

artificial connect GmbH

www.artificial-connect.com

Content automatisiert zu generieren und zu distribuieren – darum geht es dem Start-up artificial connect. „Wir sind vier Gründer aus den Bereichen Datenverarbeitung, Machine-Learning und Journalismus, die eines teilen: die Leidenschaft für guten Content“, stellt Felix Rolf sein Team aus Hannover vor. Gemeinsam mit seinen Kollegen entwickelt er für Verlage und Medienhäuser Software im Bereich der automatisierten Content-Erstellung. Zwei Software-Lösungen sind derzeit in der Entwicklung: Die Software ac.events befasst sich mit strukturiertem Copywriting im Veranstaltungsbereich. Das heißt: Aus vorhandenen Informationen werden längere Fließtexte erstellt.

Die Technologie ac.textum behandelt wiederum den gegenteiligen Fall: Sie fasst journalistische Texte kontextbasiert zusammen und überführt sie in unterschiedliche Textformate wie Headlines, Summaries, Bullet Points oder Teaser-Texte. Zwei weitere Programme sind für das kommende Jahr in Planung: Bei ac.textstyle geht es darum, Inhalte in einen anderen Stil zu transferieren. Ac.search ist ein kontextbasiertes Tagging- und Suchverfahren, das das einfache Auffinden von Inhalten ermöglicht, die eine hohe inhaltliche Nähe zur Suchanfrage des Nutzers aufweisen. „Wir freuen uns auf Unterstützung im CONTENTshift-Accelerator“, so Rolf.

SciFlow

www.sciflow.net

Das Start-up SciFlow bezeichnet sich als das „Google Docs für die Wissenschaft“. Sein Ziel ist es, gemeinsam mit wissenschaftlichen Bibliotheken das Publizieren zu vereinfachen. „Bibliotheken geben weltweit jährlich 16 Milliarden Dollar für Inhalte und Infrastruktur aus und sehen sich einem großen Wandel gegenüber. Die meistgenutzte Bibliothek ist vielleicht schon gar keine Bibliothek mehr, sondern Google Scholar mit 73 Millionen Aufrufen im Monat. Bibliothek und Forschungseinrichtungen entwickeln sich deshalb weiter und publizieren selbst“, so Gründer Carsten Borchert.

Hier kommt Sciflow ins Spiel: SciFlow ist ein kollaborativer Online-Texteditor für Forschende und Studierende, mit dem wissenschaftliche Texte erstellt, im Team bearbeitet und formatiert werden können. Das Ziel: Das Erstellen von Publikationen und das Schreiben von Abschlussarbeiten, Dissertationen und Forschungsartikeln konsequent zu vereinfachen – u.a. mit der automatisierten Formatierung von Texten gemäß Vorgaben von Verlagen oder Universitäten. Über 1.000 Studierende und Forschende sowie vier Forschungseinrichtungen arbeiten bereits mit dem Textprogramm. Das Prozedere ist einfach: Es ist keine Installation notwendig, jede Forschungseinrichtung oder Bibliothek, die sich für SciFlow entscheidet, kann sofort loslegen. „Für Bibliotheken ist SciFlow ein guter nächster Schritt, um ihre eigenen Publikations-Workflows aufzubauen“, so Borchert.

Freya Sense

www.freyasense.com

Die Gründer Tudor Birlea und Roxana Balan haben beide in Cambridge Angewandte Psychologie studiert, ihr Thema: die Erforschung der Kausalität menschlichen Verhaltens. Das Gründerteam hat einen Customer-Intelligence-Algorithmus namens Freya entwickelt, der dabei hilft, die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Zielgruppen zu gewinnen.

Mithilfe von Kognitionswissenschaft und Verhaltensökonomie identifiziert Freya Auslöser, die das Kunden- und Zielgruppenverhalten beeinflussen. Damit wollen sie Unternehmen dabei zu helfen, in einen direkten und positiven Kontakt mit ihren potentiellen Kunden zu treten.  Marketingteams sollen mit Hilfe von Freya die richtigen Worte in der Ansprache finden und Verkaufsteams ihre Umsätze steigern können. Mit Freya Sense wenden sich die Unternehmer derzeit in erster Linie an andere Start-ups. „Gründer haben das größte Interesse, die Effektivität ihrer Kommunikation zu steigern und Kunden zu gewinnen“, erklärt Tudor Birlea. „Wir leben in einer Aufmerksamkeitsökonomie. Und um die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu lenken, müssen Sie vor allem eines tun: Ihre Kommunikation an die Gedanken und Persönlichkeit ihrer potentiellen Kunden anzupassen. Diese Möglichkeit bieten wir mit Freya“.

Scriptbakery AI

www.scriptbakery.de

„Alinea“ heißt die Künstliche Intelligenz des Freiburger Start-ups Scriptbakery AI. Ihre Aufgabe ist es, Lektoraten die Arbeit zu erleichtern und den Sichtungsprozess eingehender Manuskripte effizient und zielführend zu gestalten.

„95 bis 99 % aller Manuskripte werden nicht gelesen, Bestseller übersehen, Potenziale bleiben ungenutzt“, erklärt Alinea das Problem. Deshalb hat Scriptbakery AI ein individuell auf Verlage zugeschnittenes Portal entwickelt, über das Autoren ihre Manuskripte einreichen können. Dabei werden Manuskript-, Meta- und Autorendaten erfasst, Texte mit Hilfe von Modellen aus dem maschinellen Lernen sofort gelesen und analysiert. Diese Analyse wird mit dem bestehenden Verlagsprogramm bzw. mit spezifischen Vorgaben abgeglichen und dem Lektorat zur Verfügung gestellt. „Alle Manuskripte und Analysen sind natürlich für die Lektorate jederzeit und von jedem Ort aus abrufbar“, erklärt Gründer Jonas Al-Nemri. Für Verlage bedeutet das: eine Menge Zeitersparnis bei mehr Treffsicherheit im Sichtungsprozess von Manuskripten.

„In diesem Jahr ist ein Start-up mehr als sonst im Finale. Die Qualität dieser sechs Finalisten war so hoch, dass sie alle in die letzte Runde gehören. Sie bilden gut die Bandbreite der Themen ab, die in diesem Jahr eingereicht wurden. Anders als in den letzten Jahren gibt es mit Questlog und PlusPlural auch innovative analoge Geschäftsideen, die die Jury begeistert haben. Wir freuen uns sehr, alle sechs Start-ups in den nächsten Monaten begleiten zu können.“ Carmen Udina, Jury

Questlog

www.questlog.eu

Frederic Geiger hat aus seiner Leidenschaft einen Beruf gemacht: Der Gründer des Start-ups Questlog liebt das Reisen und das Sammeln. Das von ihm hergestellte Produkt verbindet beides. „Questlogs“ sind aus Holz gefertigte Aufbewahrungsboxen, die analoge und digitale Reise-Erinnerungen zusammenbringen. In dem liebevoll gestalteten Holzkästchen findet sich Platz für Postkarten, Eintrittskarten und andere Andenken. Kunden können die Questlogs mit ihrer Reiseroute individualisieren, aufhängen oder im Regal sammeln. „Questlogs sind ein sehr emotionales Produkt, Zielgruppe sind Menschen, die gern reisen und gleichzeitig eine nostalgische Ader haben. Sie mögen es, sich auch Jahre später noch an die Reisen zu erinnern und Andenken anzuschauen“, erklärt Geiger.

Bisher hat der Gründer 3.000 Questlogs verkauft und kann pro Tag drei bis fünf Boxen in seiner eigenen Werkstatt herstellen. Ziel ist es nun, die Produktion zu automatisieren und bei geringeren Kosten eine höhere Stückzahl herstellen zu können. Außerdem will Geiger seinem haptischen Produkt einen „digitalen Überbau“ geben, damit auch schnell auf digitale Erinnerungen wie Fotos oder Videos zugegriffen werden kann. „Meine Umfrage hat ergeben, dass viele Menschen den Questlog als Geschenk kaufen –  für Menschen zwischen Anfang 20 und 50. Die Zielgruppe ist also groß“, so Geiger.

PlusPlural

www.plusplural.de

Beim Start-up PlusPlural geht es um „Inklusion in beide Richtungen“. Christina Oskui, Autorin, Selfpublisherin und Social-Entrepreneurin, stellte im Rahmen einer Recherche fest, dass es wenig gute Bücher für blinde Kinder gibt. „Blindenkinderbücher sind ein Nischenprodukt mit geringer Auflage und hohen Kosten“, erklärt die Gründerin.

Ihr Ziel ist es, ein gemeinsames, barrierefreies Medium für blinde und sehende Kinder zu entwickeln – einen Hybrid aus Buch und taktilem Lernspielzeug. Die Produkte sollen Spaß am Fühlen und am Lesen fördern und sind deshalb auch besonders gut für Kinder mit Leseschwäche geeignet. „Unsere Konzepte sind bewusst analog ausgerichtet. Das haptische Erleben, wie es beim Lesen eines Buches stattfindet, ist digital nicht zu simulieren. Ein Buch ist dreidimensional, eine Seite Papier hat eine bestimmte Reibung, es gibt beim Blättern Geräusche von sich. Diese Werte möchten wir in unseren Produkten vermitteln und dafür sorgen, dass die Unterschiede zwischen digitalem und analogem Medium bewusster wahrgenommen werden können“. Gemeinsam mit Pascal Heußner arbeitet sie derzeit an einer Bücherbox, die sowohl Braille- als auch Normschrift und dreidimensionale Illustrationen umfasst und es allen Kindern ermöglicht, spielerisch mit dem geschriebenen Wort in Berührung zu kommen.

Text: Christiane Petersen 


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