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Wie scheitert ein Start-up am besten, Herr Henzler? 11.07.2016

© privat

Wie scheitert ein Start-up am besten, Herr Henzler?
Ein Start-up scheitert zwangsläufig mehrmals, in den ersten Jahren erfahrungsgemäß drei- bis fünfmal – das Scheitern gehört also zur DNA eines Start-ups dazu. Scheitern ist hier gemeint im Sinne von: Ich hab mir etwas vorgenommen und das klappt nicht gleich so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bekomme Ohrfeigen von den ersten Kunden, aus ganz unterschiedlichen Gründen: Weil sie den Sinn meines Unternehmens nicht sofort verstehen, weil sie mein Geschäftsmodell zu kompliziert finden, weil die Usability unterirdisch ist. Jede Ohrfeige ist ein kleines Scheitern. Und trotz der Ohrfeigen gilt es dranzubleiben und jede Rückmeldung zur Weiterentwicklung zu nutzen.

Das heißt, Gegenwind bringt Fortschritt?
Sagen wir so: Wenn es mir gelingt, dass jede kritische Rückmeldung bei mir zu einer Verbesserung führt, dann ist die Summe meiner gescheiterten Vorschläge am Ende das erfolgreiche Start-up. Deshalb sollten wir auch nicht vom Scheitern sprechen, sondern von Schleifen und Verbesserungen, weil der erste Schwung noch nicht genügend Überzeugungskraft hatte. Aber mit jeder weiteren Schleife sammle ich mehr Schwung, mehr Wucht, mehr Energie für den Erfolg.

Welche Chancen, welche Risiken bietet die Content-Branche für Start-ups?
Verlage und Medienhäuser sind besonders betroffen vom digitalen Wandel. Der structural change kratzt am Kern der eigenen Wertschöpfung – der Herrschaft über die Produktionsmittel, die Distributionsnetzwerke, das Marketing und Lektorat. Jeder kann heute Autor sein, über kleinere oder größere Netzwerke wie Amazon das eigene Buch bewerben. Diese Situation bietet Entfaltungsspielraum für Start-ups und Nachfrage nach neuen Lösungen. Start-ups sind in der Branche im Vergleich zu etablierten Verlagen klar im Vorteil, weil sie ganz neu denken, sich ganz neu aufstellen können. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kooperation. Verlage sind starke Marken und haben eine große Kompetenz im Umgang mit Inhalten. Das gilt es zu ergänzen um Wissen im Umgang mit den digitalen Medien.

Was bedeutet das konkret?
Die Masse an Informationen im Netz nimmt rasant zu, sie verdoppelt sich alle zwei Jahre. Dadurch gibt es einen hohen Bedarf an Aggregatoren, die Filterfunktionen übernehmen. Blendle ist ein Beispiel hierfür. Die Start-ups, die u.a. mit diesem Thema klug umgehen, haben große Chancen. Denn es liegt in der Logik des Marktes, dass es niemals weniger Informationen geben wird. 

Rechtlich gesehen ist die Verwertung von Inhalten derzeit ein Bereich mit vielen Grauzonen, die politisch und gesellschaftlich gelöst werden müssen. Das birgt natürlich Unsicherheiten, für etablierte Player wie auch für Start-ups. Auf unserem Blog berichten wir übrigens regelmäßig über Entwicklungen des Marktes, unter anderem auch über Start-ups und ihre Geschäftsmodelle. Dabei ist eindrucksvoll zu sehen, welche Potenziale Start-ups in der Content-Branche entwickeln können.

Welchen Tipp haben Sie für die Start-ups, die bei CONTENTshift mitmachen?
Ganz einfach: Nutzt diese einzigartige Chance, euch gut zu vernetzen. Knüpft Kontakte in der Branche. Das sind Profis im Erkennen und Bearbeiten von gutem Content. Und ideale Partner für Kooperationen.

Interview: Christiane Petersen


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